Müssen Top-Ski immer schwer sein?

Welcher gute Skifahrer kennt das nicht: Beim Skikauf möchte man als Kunde einen laufruhigen Ski haben. Man träumt sich auf die Piste und sieht sich vor dem inneren Auge zügig die Piste herunterschwingen. Der Ski läuft verlässlich und ruhig. Schnallt man dann die Ski ab, bekommt man die Quittung für seinen Wunsch und darf den gefühlt schwersten Ski aller Zeiten schleppen.

Bisher war es so, dass der Wunsch guter Skiläufer nach Laufruhe seitens der Hersteller bei der Konstruktion durch entsprechende Materialien umgesetzt wurde. Ein Holzkern mit mehr Dichte und Stabilität und Titanaleinlagen waren ein Teil der Rezeptur, um Schwingungen zu dämpfen und Stabilität und größtmögliche Laufruhe zu gewährleisten. Aber diese Lösung brachte auch immer den Nachteil eines deutlich höheren Gewichtes mit sich. Es war schlicht Gesetz: Mehr Laufruhe = schwerer Ski.
Hochtechnologie zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass sie scheinbar unumstößliche Gesetze hinterfragt und nach neuen Wegen sucht, alte Probleme zu lösen. Mit dieser Maxime hat sich der deutsche Skihersteller Völkl in seiner Technikschmiede im bayrischen Straubing beschäftigt. In einem jahrelangen Forschungs- und Versuchsprozess haben sich die Experten des Widerspruchs von Gewicht und Laufruhe angenommen – mit durchschlagendem Erfolg.
Kern der Idee ist, ohne einen Verlust an Stabilität und bei gleichzeitigem Beibehalten der Laufruhe die Masse im Ski zu reduzieren. Basierend auf zwei neuen Technologien ist dies in optimaler Abstimmung gelungen.

Masse im Ski reduzieren und umverteilen
Masse dort zu reduzieren, wo sie aus Stabilitätsgründen nicht unbedingt sein muss, ist der Grundgedanke eines neuen Bauprinzips der Firma Völkl, 3D.Ridge genannt. Charakteristisch ist eine längs gerichtete Erhöhung in der Skimitte, die vor und hinter der Bindung zur Kante hin deutlich abflacht. Das reduziert die Schwungmasse rund um den Drehpunkt des Skis auf ein Minimum und steigert seine Agilität deutlich. In dieser Saison ist dies erstmals in den Spitzenmodellen der sehr erfolgreichen RTM-Baureihe zu finden. Die neue 3D-Technologie steht für die extremste und effektivste Bauweise, die es laut Hersteller Völkl augenblicklich gibt und wurde inzwischen zum Markenzeichen des Völkl-Leichtbaus. Der Grundgedanke der Konstruktion, der erhöhte Mittelsteg, lässt zudem eine exakte Auslegung des Härteverlaufs zu, was zu einer besonders harmonischen Biegelinie und einem entsprechend optimalen Kurvenverlauf des Skis führt.
Bei bisherigen Konstruktionen hätte diese Bauweise womöglich zu einem unruhigeren Fahrverhalten aufgrund verstärkter Schwingungen geführt. Diesem Dilemma ist Völkl durch eine weitere Neuerung begegnet.

Schwingungstilger als Lösung
Wer kennt nicht die Fernsehberichte über Hochhäuser und andere Großbauwerke in Tokio und anderen „wackeligen“ Regionen der Erde? Hier finden schwingungsdämpfende Systeme Anwendung, beispielsweise bei der Dämpfung von Wind- und Erdbebeneinflüssen auf Hochhäuser und Brücken. An kritischen Stellen der Konstruktion wird ein Schwingungstilger eingebaut, um das Bauwerk zu stabilisieren. Dadurch muss die Konstruktion des gesamten Baus weniger massiv und somit weniger schwer ausfallen. Dieses Prinzips hat man sich bei Völkl bedient und einen deutlich kleineren Schwingungstilger für Skimodelle entworfen, der UVO (Ultimate Vibration Object) genannt wurde. In der Praxis nutzt das UVO zur Reduktion von Schwingungen seine (kleine) Masse, um zeitversetzt störenden Vibrationen zu folgen und diesen entgegenzuwirken.
Das UVO ist der erste frei gelagerte 360°-Vibrationsdämpfer im Skibau. Durch die Unebenheiten des Untergrundes wird der Ski beim Fahren unvermeidbar ins Schwingen gebracht. Insbesondere die Schaufel gerät in Bewegung, und zwar in alle Richtungen. Die UVO-Technologie reduziert diese Schwingungen drastisch und bringt somit Ruhe in den Ski.
Aufgrund seiner nachweisbaren Wirkung ermöglicht das UVO, die Ski leichter als die Vorgängermodelle zu bauen und gleichzeitig den Kantengriff und die Stabilität deutlich zu erhöhen.
Unabhängig vom Fahrkönnen profitiert der Skifahrer von den Vorteilen des neuen 360° UVO: Sportliche Skifahrer vom agileren Verhalten, dem verbesserten Kantengriff und der höheren Laufruhe, Genussfahrer von der spürbaren Kraftersparnis. Dadurch können auch weniger Trainierte den ganzen Skitag voll genießen.
Bezogen auf das Geschehen am Ski heißt das, dass während des Fahrens der Kontakt der Skikante zum Untergrund länger erhalten bleibt bzw. nur kurz unterbrochen wird. Somit läuft der Ski wesentlich ruhiger und garantiert besten Kantengriff. Die Spritzigkeit des Skis wird nicht negativ beeinflusst, da der UVO-Schwingungstilger – anders als bisherige Technologien - nicht direkt mit dem Ski verbunden ist und eine vollkommen frei gelagerte Masse besitzt.

Fazit der SNOW-HOW! Online-Redaktion:
Wir finden die Namensgebungen der Völkl-Techniken wenig geglückt. Unter dem Namen 3D.Ridge kann sich keiner etwas vorstellen. Schlimmer noch ist der Name UVO, weil es –vollkommen zu Unrecht - Hokuspokus suggeriert. Aber dies nur als Randbemerkung.
Das Gesamtpaket ist wirklich schlüssig. Weniger Schwungmasse am Ski erleichtert das Drehen und dank des höheren Mittelsteges bzw. der daraus resultierenden Biegelinie des Skis fahren sich die Spitzenmodelle der RTM Reihe sehr harmonisch. Die aus der Konstruktion resultierende Flatterneigung hat man mit dem UVO komplett ausgeschaltet und etwas wirklich Neues gebaut. Top-Ski, an denen man sich keinen Bruch hebt. Ergebnis des SNOW-HOW!-Skitestes im Mai 2015 im Kaunertal: Der Völkl RTM 81 ist der Lieblingsski unseres Chefs Dirk Iserlohe, der übrigens wirklich gut Ski fahren kann.
Zitat auf seiner Testkarte: „Extrem laufruhig auch bei Topspeed, trotzdem total beweglich; mit der 81 mm-Breite aber auch bei Sulz und Neuschnee perfekt; echter Knaller, da brauch´ ich keinen anderen Ski mehr“.

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