Wie ein etwas anderer Ski entsteht - Von der Idee zum einzigartigen Produkt.

Wir recherchierten in zahlreichen Interviews den Weg vom ersten Gedanken zum fertigen Produkt in unserem Skiregal. Kein Massenprodukt, aber gerade deshalb ist die Entstehungsgeschichte besonders interessant.

05. November 2013, Kaprun, Österreich
Sales-Meeting der europäischen Außendienstmannschaft der Firma Head. Die neue Skikollektion der Saison 2014/15 soll final verabschiedet werden. Die Resonanz der Vertriebsmannschaft ist positiv, aber die Produktmanager werden doch noch ins Schwitzen kommen, um die letzten Änderungen in den verbleibenden 10 Wochen bis zur Premiere umzusetzen.

21.30 h, Hotelbar Hotel Tauern-Spa, Kaprun
Beim gemütlichen Feierabendbier philosophieren Deutschland-Verkaufsleiter Michael Epple, sein Kollege aus Österreich, der Außendienstler für Nordrhein-Westfalen Andreas Dütting und Produktmanager René Harrer über die Ski-Themen der Zukunft. Eine lebhafte Diskussion über den Freeride-Trend entsteht. Die Pro-Freerider sehen das Segment als das coole und umsatzrelevante Zukunftsthema. NRW-Mann Dütting gibt zu bedenken, dass bisher maximal 5-10 % der Skifahrer nördlich von Frankfurt neben der Piste fahren würden und stattdessen ganz „normale“ Skifahrer seien.

22.45 h, Hotelbar Tauern-Spa, Kaprun
Die Diskussion wird heißblütig. Die Freerider sagen, dass die Ski auch der Trend auf der Piste werden. In den USA würden nur noch diese Art Ski verkauft werden. Einfach schon deshalb, weil sie ein wesentlich cooleres Image hätten. Die Contra-Gruppe hält dagegen, dass sich der europäische Markt weniger oberflächlich von Trends blenden lasse und der Schnee ja auch ganz anders beschaffen sei. Die meisten Freeride-Ski seien zwar neben der Piste ein Traum, auf der Piste aber zweite Wahl. Plötzlich steht die Frage im Raum, wie denn ein Ski ankommen würde, der eine optimale Pistenabstimmung böte, aber auch neben der Piste richtig gut ginge. Also eine Art Pisten-Freerider. Ein einvernehmliches Kopfnicken geht durch die Thekenbesetzung.

6. November 2013, 8.30 h, Tagungsraum des Hotels
Produktmanager René Harrer stellt das Thekengesprächs-Ergebnis der großen Runde zur Diskussion. Es wird aus den Reihen der Vertriebsmannschaft gefragt, wer diesen Pisten-Freerider oder Freeride-Pistenski kaufen soll. Wie so etwas überhaupt aussehen würde. Außerdem sei die Zeit viel zu kurz, den Ski noch zu entwickeln. Der Gedanke wandert als Bierlaune in die Schublade der verworfenen Ideen.

29. Januar 2014, Messegelände München
Die weltgrößte Sportartikelmesse ISPO hat vor ein paar Minuten ihre Tore geschlossen. Head hat erfolgreich seine Kollektion für den Winter 2014/15 den Fachhändlern präsentiert. Michi Epple zieht mit seiner deutschen Außendienstmannschaft Fazit. Was kam gut bei den Händlern an, was ist weniger gut besprochen worden. Man ist sich sicher, dass das traditionell starke Pistenski-Segment ein Umsatzgarant werden wird. Handlungsbedarf wird bei den Freeride-Ski ausgemacht. Das Thema wird nach Meinung der Fachhändler für die Skifahrer immer interessanter.

03. Februar 2014, Kennelbach, Vorarlberg, Österreich
In der Head-Zentrale, gewissermaßen dem „Head“-Quarter, diskutiert die Führungsriege die Ergebnisse der Messe als wichtigstes Barometer der Branche. Die ausgemachten Trends müssen schnellstens in die Entwicklung der Kollektion 2015/16 einfließen, die in weiten Teilen bereits steht. Produktmanager Harrer sieht sich in seiner Ansicht bezüglich des Freeride-Marktes bestätigt. Gegen Ende der Besprechung zieht er seine Idee des Pisten-Freeriders erneut aus der Schublade. Die Chefs sind skeptisch, geben aber grünes Licht, verschiedene Prototypen zu entwickeln.

05. Februar 2014, Kennelbach, Entwicklungsabteilung Head
René Harrer bespricht mit Entwicklungschef Alexander Kaufmann die Entwicklung der Prototypen. Man ist sich schnell einig, dass man als Grundidee einen Freeride-Ski bauen muss, der auf der Piste aber maximalen Kantengriff und Beschleunigung aus der Kurve bieten sollte. Zu breit darf er nicht sein, um die nötige Agilität zu gewährleisten, zu schmal aber auch nicht, damit er neben der Piste ausreichend Auftrieb bringt. Die Runde beschließt, mehrere Ski in verschiedenen Breiten mit Titanal- oder Carboneinlagen und verschiedenen Rockerformen zu bauen. Jetzt muss es schnell gehen, damit der Ski noch in der Saison 2015/16 auf den Markt kommen kann.

18.02.2014, Kennelbach, Entwicklungsabteilung Head
Am Computer werden verschiedene Prototypen konstruiert und vom Chefentwickler nach kleinen Modifikationen abgenickt. Einen Ski zu konstruieren, sei wie Musik zu schreiben, sagt Alexander Kaufmann. Man müsse beim Ski zwar nicht im Kopf haben, wie es klinge, aber schon eine sehr klare Idee haben, wie es sich beim Fahren anfühle, wenn man an den unterschiedlichen Stellschrauben aus Holzkern, Carbon, unterschiedlichen Fieberglasgelegen und Titan drehe. Zudem müsse eine runde „Komposition“ aus Radius, Rocker und Rebound, also der Rückstellkraft, gefunden werden.

26.02.2014, Kennelbach, Prototypen- und Rennskibau
Im Race-Department, dem Prototypen- und Rennskibau legen mehrere Mitarbeiter nach den Plänen der Entwicklung verschiedene Laminate übereinander und verpressen diese unter Hochdruck und Hitze zu Skirohlingen, die an den folgenden Tagen weiterbearbeitet und geschliffen werden. Verschiedene Bindungssysteme werden danach montiert.

13.03.14, Skigebiet Gargellen im Montafon
Alexander Kaufmann, sein Testteam und Produktmanager René Harrer probieren die Prototypen. Fünf Modelle werden schnell verworfen. Zwei stehen am Ende in der engeren Wahl. Mit dem Produktmanagement, der Entwicklung und der Chefetage werden noch am Nachmittag die Ergebnisse diskutiert. Richtig überzeugt ist man noch nicht, die Ski seien noch immer zu „tiefschneelastig“. Es wird beschlossen, das Modell mit 88 mm Mittelbreite mit einem zusätzlichen zweiten Titanalgurt erneut zu bauen.

27.03.14, Skigebiet Gargellen im Montafon
„Der Ski ist ein Tier“ strahlt Alexander Kaufmann, aber vielleicht einfach etwas zu viel des Guten. Man ist auf dem richtigen Weg. Mit der Entwicklung bespricht man danach noch etwas „Feintuning“.

05.05.14, Kennelbach, Head Zentrale
Der Prototyp steht. Die Kollegen vom Design und der Head-Marketingexperte Tassilo Weinzierl übernehmen die Arbeit und entwickeln Vorschläge, wie das neue Modell positioniert und designt werden soll. In einer gemeinsamen Besprechung kommt man zum Ergebnis, dass ein Modell, das so aus dem „Normalen“ heraussticht, auch einen besonderen Weg der Produktvorstellung verdiene. Eine ausgeklügelte Strategie wird entwickelt, zwei Wochen später der Chefetage vorgestellt und begeistert aufgenommen.

04.November 2014, Kaprun, Österreich
Im Sales-Meeting der europäischen Außendienstmannschaft wird die Kollektion des übernächsten Winters 2015/16 vorgestellt. Man hat nach wie vor eine starke Kollektion mit den überarbeiteten Race- und Supershape-Modellen. Der Bereich Allmountain und Allround wurde komplett neu aufgestellt. Alles „neben der Piste“ wurde neu konstruiert. Aber ein Ski fällt aus allen Kategorien, wie schon sein Name: Monster 88. Hier ist der Name Programm. Der Ski soll neue Wege gehen, er soll sofort Begehrlichkeit wecken oder Ablehnung erzeugen und einfach anders sein.

01.Dezember 2014, Kennelbach, Europalager Head
Pakete mit schwarzen Ski ohne Produktnamen verlassen das Lager an die europäischen Außendienstmitarbeiter der Fa. Head.

09. Dezember 2014, Lingen, SNOW-HOW
Head-Außendienstmitarbeiter Andreas Dütting übergibt SNOW-HOW!-Chefeinkäufer Kai Pagel einen imposanten schwarzen Testski ohne Produktbezeichnung. Man solle ihn einfach einmal ausprobieren.

14. Dezember 2014, Neuss, Skihalle
Der namenlose Head-Testski wird von SNOW-HOW!-Chef Dirk Iserlohe Probe gefahren. Leider kann er zum Ski nicht viel sagen, weil die Maximalgeschwindigkeit in der Halle nicht ausreicht, um dem Ski seinen wahren Charakter zu entlocken.

02. Januar 2015, Zauchensee, Salzburgerland, Österreich
SNOW-HOW!-Ski-Einkäufer Kai Pagel, selbst Skilehrer im Deutschen Skilehrerverband, prüft das unbekannte Skiobjekt auf Herz und Nieren. Er meldet seinen Kollegen per What´s App: „Unglaublich das Ding. Eine Pistenmaschine, die zieht wie ein Racecarver, aber auch im Powder gut aufschwimmt. Der ist gesetzt für nächste Saison“

05. Februar 2015, München, Messegelände
Die ISPO, ein „Muss“-Termin im SNOW-HOW!-Wareneinkauf. Andreas Dütting stellt grinsend den fertigen Monster 88 vor: „Kein Ski für jedermann und kein Massenprodukt. Aber der Traumski für ein gewisses Skifahrerklientel, für das es bisher immer nur schlechte Kompromisse gab.“

08. Oktober 2015, Lingen, SNOW-HOW
Kai Pagel räumt die Lieferung der aktuellen Head-Ski in die Regale. Mit dabei ist ein Exotenski: Head Monster 88. Der schwarze Testski ohne Namen steht jetzt neben über 1000 anderen Paaren im SNOW-HOW!-Verleih.